Zahnschmerzen – Die Nerven liegen blank!

Für viele Menschen, die unter Zahnschmerzen leiden, stellt sich auf kurz oder lang die Frage, warum diese Form des Schmerzempfindens so gnadenlos und schlafraubend ausfällt. Denn ganz egal, ob du regelmäßig oder nur in einmaligen Fällen Zahnschmerzen hast – sie sind so gut wie immer von einer unvergleichlichen Intensität. Nicht selten reift der Gedanke, das verdammte Ding einfach ziehen zu lassen. Ganz egal, ob dir dann halt ein Zahn fehlt, Hauptsache diese brutalen Schmerzen hören endlich auf.

Erfahrungsgemäß sind Zahnschmerzen nämlich so mitunter die schlimmsten, die man überhaupt haben kann. Gefördert wird dieses Empfinden vor allem auf einer psychischen Ebene auch noch dadurch, dass du den Schmerz nicht mal gerade durch Dehnübungen oder eine Massage wegtherapieren könntest, wie beispielsweise bei einem überdehnten Fußgelenk, einem Ziehen im Ellbogen oder einem verspannten Rücken. Nein, deine Zähne sitzen fest im Kiefer, und jegliche Berührung mit Fremdkörpern (zum Beispiel Fingern, Zahnbürsten, aber auch Nahrung) verstärkt die Schmerzen häufig nur noch.

„Aber warum? Was genau lässt mich an meinen Zahnschmerzen so wahnsinnig werden?“

Hast du schonmal von dem Sprichwort blank liegender Nerven gehört? Es ist in diesem Zusammenhang sehr gut vorstellbar, dass es seinen Ursprung in der Zahnmedizin hat. Wer es in der Form ausspricht, leidet meist unter irgendwelchen Strapazen, wie beispielsweise Stress auf der Arbeit, im Alltag oder im Privaten.

Und so hat im Laufe der Geschichte auch die Allgemeinmedizin etwas damit zu tun, denn Operationen an offenen Wunden, Organen o.ä. liefen noch bis vor ca. 300 bis 400 Jahren vollkommen ohne Betäubung oder Narkose ab. Im wahrsten Sinne des Wortes lagen dabei also Nerven blank. Das Problem an der Sache war dabei stets – und ist es noch immer – dass Nerven derjenige Bestandteil in einem jeden menschlichen Körper ist, der Reize ans Gehirn leitet. Normalerweise liegt über jedem Nerv allerdings noch eine Muskel- oder zumindest Hautschicht, die diesen Reiz abschwächt. Landet beispielsweise eine Fliege auf deiner Haut, so reicht dies schon aus, damit der weit unter der Haut liegende Nerv den Reiz „Fliege auf der Haut“ sofort weiterleitet. Kurz gesagt: Unsere Nerven sind extrem empfindlich.

Ist die Schutzschicht aus Haut, Muskeln, Knochen etc. allerdings nicht mehr vorhanden und ein Nerv liegt buchstäblich blank, so wird durch die allgemeine Empfindlichkeit der Nerven bereits beim Landen einer Fliege auf dem blanken Nerv ein starkes Schmerzsignal ans Gehirn gesendet.

„So weit, so gut. Doch was haben meine Zähne jetzt damit zu tun?“

Die Antwort: Jeder menschliche Zahn beinhaltet mindestens einen Nerv, und zwar in den Zahnwurzeln. Grund dafür ist – wie auch im gesamten restlichen Nervensystem im Körper – eine Schutzfunktion.

Wie sollten wir ohne unsere Nerven irgendetwas fühlen? Wir wüssten ohne hinzuschauen nicht einmal, ob wir das Glas Wasser noch in der Hand halten oder es bereits losgelassen haben und jetzt den Boden trockenwischen müssen. Allerdings – und das ist noch viel wichtiger – wüssten wir ohne unsere Nerven auch nicht, wenn wir beispielsweise eine Hand auf der heißen Herdplatte liegen haben. Oder wir dabei sind, uns den Nagel aus Versehen durch den Daumen zu hämmern.

Und auch wenn dies noch Gegenstand verschiedener Diskussionen ist, ist auch die Existenz von Nerven in unseren Zähnen auf diese Schutzfunktion zurückzuführen, denn nur so wissen wir rechtzeitig bescheid, wenn mit unseren Zähnen irgendetwas nicht in Ordnung ist. Der Schmerz ist sozusagen nichts weiter als ein Warnsignal.

So ist aber auch die Intensität der Schmerzen zu erklären. Solange ein Zahnnerv noch von dem Dentin umgeben wird, leitet er so gut wie keine Reize weiter. Anders als beispielsweise in unseren Armen und Beinen wird der Zahnnerv nicht von weicher Masse wie Muskeln oder Haut umgeben, sondern von relativ hartem und vor allem reizundurchlässigem Dentin. Leidet ein Zahn nun allerdings unter beispielsweise Kariesbefall, der sich übrigens immer trichterförmig nach unten frisst, so erreicht die Karies irgendwann die Zahnwurzel und den darin befindlichen, ab diesem Zeitpunkt blank liegenden Nerv. Da die Karies den Nerv allerdings nicht nur kurzzeitig berührt, wie eine Fliege, die du sofort wieder wegscheuchen könntest, sondern ständig und zu jeder Sekunde anwesend ist, entsteht ein nicht aufhören wollender, extrem unerträglicher Schmerz.

Immer noch Schmerzen?

„Ja hey, danke für diese ganzen Infos! Ich habe trotzdem immer noch wahnsinnige Schmerzen! Was kann ich jetzt dagegen unternehmen?“

Geh sofort zum Zahnarzt. Wenn dessen Praxis gerade geschlossen sein sollte, gibt es rund um die Uhr auch den zahnärztlichen Notdienst. Verzichte auf Schmerzmittel, die helfen erstens so gut wie nie bei Zahnschmerzen und zweitens erst nach ca. einer halben bis Dreiviertelstunde. Wenn überhaupt.

Ein jeder Zahnarzt, auch im Notdienst, bietet dir in kürzester Behandlungszeit die Möglichkeit, dass er dir zunächst eine starke Betäubung verabreicht, welche ebenjenen aktivierten Nerv lähmt und die Reize nicht am Gehirn ankommen lässt. Infolgedessen kann er in aller Ruhe (vor allem deiner eigenen Ruhe) den Wurzelkanal reinigen, sämtliche Karies entfernen und den Zahn letztendlich mit einer Füllung verschließen, die verhindert, dass die Karies wieder zurückkehren und sich vermehren kann.

Infolgedessen einer solchen Behandlung solltest du übrigens in Erwägung ziehen, erstens die Gründlichkeit deiner Zahnhygiene auf einen aktuelleren Stand zu bringen und zweitens regelmäßig einen Zahnarzt zur Untersuchung aufzusuchen, damit solche Schmerzen nie wieder auftreten. Denn dass sie auch wirklich nie wieder auftreten, kann dir in diesem Kontext jeder Zahnarzt garantieren.