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Zahnarztbehandlungen im Laufe der Geschichte

Wer heute zum Zahnarzt geht, den erwartet meist eine hygienisch einwandfreie Behandlung mit weltweit anerkannten, möglichst gewinnbringenden Behandlungsmethoden. Das Ziel ist dabei, nicht nur die Schmerzen zu beseitigen oder zumindest zu lindern, sondern auch dem erneuten Auftreten von Schmerzen vorzubeugen. Dafür werden Röntgenaufnahmen angefertigt, die genau aufzeigen, an welchen Stellen im Gebiss Reinigungen und/oder Reparaturen nötig sind. Behandelnde Zahnärzte arbeiten mit einer hellen Praxislampe und Lupen, um auch die kleinsten Behandlungsflächen gut ausleuchten und erkennen zu können. Auf diese Art und Weise werden allen Zahnarztpatienten ihre Leiden genommen und verhindert, dass sich ihr Zustand kurzfristig wieder verschlimmert.

Doch ist der heutige Stand dieser Methoden so weit fortgeschritten, dass man sich schnell fragt: Wie wurden Zahnarztbehandlungen denn bitte früher durchgeführt? Als es noch nicht diese zeitgemäßen Anwendungsmöglichkeiten gab? Als das Wissen um Bakterien, Keime und Hygiene noch nicht ansatzweise so detailliert war wie heute?

Die Antwort dazu ist relativ leicht: Was damals galt, galt jederzeit als zeitgemäß und hilfreich. Da Menschen nicht in die Zukunft schauen können, wusste damals natürlich noch niemand, auf was für einem Stand die Zahnmedizin im 21. Jahrhundert sein würde. Lediglich aus heutiger Sicht erscheinen die Behandlungsmethoden aus dem Mittelalter geradezu als fahrlässig und gefährlich.

Rabiate Herangehensweisen

Zunächst muss angemerkt werden, dass auch bereits vor hunderten von Jahren Kariesbefall, Zahnstein, Wurzel- und Zahnfleischentzündungen sowie Zahnfehlstellungen mitsamt ihren ganzen Konsequenzen bekannte Probleme vieler Menschen waren. Denn auch im Mittelalter gab es bereits zucker- und säurehaltiges Essen, und die Zahnpflege war bei großen Teilen der Bevölkerung sehr viel schwächer ausgeprägt als heute, wenn sie denn überhaupt stattfand. Infolgedessen gab es nur sehr wenige Menschen mit wirklich geraden und gesunden Zähnen; diese kamen meist aus höheren gesellschaftlichen Schichten. Ein schönes Gebiss galt daher also auch als Statussymbol.

Schmerzbehandlung

Litt man nun unter Zahnschmerzen, so hatte man – wie heute – sowohl die Möglichkeit, einen Zahnarzt aufzusuchen als auch zur Apotheke zu gehen, nur dass diese beiden Instanzen damals noch nicht so eng zusammenarbeiteten wie heutzutage, sondern sich eher als Konkurrenten verstanden, die beide Geld an ihren Patienten verdienen wollten.

Allerdings fand sich schnell eine Lösung für dieses Problem: Aufgabenverteilung. Während Zahnärzte sich eher in Richtung Ursachenbekämpfung entwickelten, sahen die Apotheker ihr Gebiet in der Schmerzbehandlung. Dafür boten sie eine vergleichsweise große Menge verschiedenster Schmerzmittel an, die in ihrer Vielfalt die heutigen Standards stark überstiegen. Am beliebtesten unter diesen Schmerzmitteln war selbstverständlich Opium. In dickflüssiger Form wurde es dabei aufs Zahnfleisch nahe der Schmerzherdes gepinselt. So gesehen ist es ein Vorläufer der heutigen Lokalanästhesie.

Ursachenbekämpfung

Die Zahnärzte der damaligen Zeiten hatten gegenüber heutigen Verhältnissen einen entscheidenden Vorteil: Die Patienten waren bei weitem nicht so ängstlich wie heute. Eher im Gegenteil: Wer Zahnschmerzen hatte, wollte so schnell und effektiv wie möglich schmerzfrei werden. Die Methoden, die dies bewirkten, waren dabei für viele absolut zweitrangig. Während heutzutage die häufigste Behandlung im Reinigen und Füllen von Zähnen besteht, war damals das Ziehen am verbreitetsten. Denn durch die damals sehr rudimentären, bisweilen sogar nicht vorhandenen Fachkenntnisse der Zahnmediziner war das Ziehen für viele Menschen die einzige Lösung. Eine andere Möglichkeit bestand darin, das Innere von hohlen & zerfressenen Zähnen mit glühendem Metall auszubrennen, wodurch der Zahnnerv getötet wurde und die Schmerzen verschwanden.

Rückblickend stellt sich nun allerdings die Frage: Bei einem dermaßen großen Mangel an Hygiene… Wie konnten die Menschen solche Eingriffe mit nicht desinfizierten Behandlungsinstrumenten etc. überhaupt überleben? Hätten sich nicht sonst was für keimbedingte Entzündungen entwickeln müssen?

Eine mögliche Antwort darauf liegt in der Tatsache, dass Desinfektionsmittel und Hygienevorschriften eine Erfindung des 20. Jahrhunderts sind. Vorher war die Menschheit sozusagen abgehärtet. Erst durch diese Hygienerevolution fand eine Entwicklung statt, die die Menschheit hat anfälliger werden lassen, sich zu infizieren. Das Stichwort ist hier das menschliche Immunsystem, das jahrhunderte- und jahrtausendelang Antikörperchen gegen Keime und Bakterien parat hatte, bis Desinfektionsmittel o.ä. diese Abwehrfähigkeit überflüssig machten und das Immunsystem so schwächer werden ließen.