Weisheitszähne – die „Achter“ im Überblick

Jeder erwachsene Mensch hat im Normalfall 32 Zähne. Selbstverständlich gibt es unzählige Abweichungen und Ausnahmen; zwei dieser Sonderfälle nennen sich Hypodontie (Zahnunterzahl), bei welcher dem Gebiss einige Zähne fehlen, weil sie sich gar nicht erst entwickelt haben, und Hyperdontie (Zahnüberzahl), bei der das Gebiss mehr Zähne entwickelt hat als es eigentlich hätte müssen.

Das Milchgebiss bei Kindern hingegen besteht in der Regel nur aus 20 Zähnen, da sich die hinteren Backenzähne, die sogenannten Molaren, erst mit dem Zahnwechsel entwickeln. Dieser Zahnwechsel ist meist im Alter von ca. 12 Jahren vorübergehend mit dem Durchbrechen der „Sechser“ und „Siebener“ beendet. Das Gebiss besteht dann aus 28 Zähnen.

Normalerweise entwickelt sich im Alter von 18 bis 25 Jahren allerdings noch ein weiterer Zahn, der sogenannte Weisheitszahn, im zahnärztlichen Fachjargon auch als „Achter“ bekannt. Da das menschliche Gebiss zu diesem Zeitpunkt allerdings weitestgehend fertig entwickelt ist und sich im Kiefer gefestigt hat, besteht für die insgesamt vier Weisheitszähne sozusagen eine erhöhte Schwierigkeit, sich hinter den Zahnreihen Platz zu verschaffen. Aus diesem Grund verlaufen Wachstum und Entwicklung der Weisheitszähne nur bei 50 Prozent aller Menschen ohne Komplikationen.

Diese Komplikationen können verschiedener Natur sein. Einerseits ist es möglich, dass sie sich verlagern, also sozusagen „schief“ sitzen. Andererseits kann es auch vorkommen, dass sich die Weisheitszähne zwar entwickeln, jedoch nicht das Zahnfleisch durchbrechen. In diesem Fall spricht man von einer Retention. Eine weitere Möglichkeit, die nur in seltenen Fällen überhaupt irgendwelche Komplikationen verursacht, ist das völlige Fehlen der Weisheitszähne.

Was geschieht bei einer Entfernung (Extraktion) der Weisheitszähne?

Weisheitszähne können teilweise von der natürlichen Form von Zähnen abweichen. So treten beispielsweise Fälle auf, in denen ein Weisheitszahn mehr Wurzelkanäle hat als normal, oder diese Wurzelkanäle aufgrund des Wachstumsverlaufs gebogen sind. Leider verursachen vor allem der letzte Punkt und Retentionen immer wieder Schwierigkeiten bei der Extraktion: Der betroffene Zahn kann nicht einfach so nach oben herausgezogen werden, sondern muss behutsam ausgeklinkt werden. Aus diesem Grund werden Weisheitszahnextraktionen in der Regel lediglich von Kiefer- oder Oralchirurgen durchgeführt, manchmal gibt es auch Zahnärzte mit chirurgischen Fachkenntnissen.

Vor der Behandlung bekommt man eine örtliche Betäubung, damit während des Eingriffs keinerlei Schmerzen entstehen können. Manchmal kann es auch vorkommen – vor allem bei schwierigen chirurgischen Eingriffen oder wenn alle vier Weisheitszähne auf einmal extrahiert werden sollen – dass der Patient in Vollnarkose versetzt wird. Dies wird vor allem dann in Erwägung gezogen, wenn der Chirurg nicht gewährleisten kann, dass der Eingriff trotz örtlicher Betäubung schmerz- und komplikationsfrei verläuft.

In den meisten Fällen wird für die Extraktion eines Weisheitszahns ein operativer Schnitt am Zahnfleisch durchgeführt, um dieses erstens zu schonen und den Zahn zweitens leichter herausziehen zu können. Vor allem bei Retentionen, wenn der Weisheitszahn sich noch vollständig unter dem Zahnfleisch befindet, ist dies nötig, damit am Zahnfleisch keine Entzündungen und Narben entstehen.

Je nachdem, wie ausgeprägt die Biegungen in den Wurzelkanälen sind, kann es auch vonnöten sein, den Kiefer leicht aufzusägen, um somit das Loch zu vergrößern, aus dem der Zahn hervorgeholt wird. Eine andere Variante ist, noch während er im Kiefer steckt, den Zahn durchzusägen und in Einzelteilen zu extrahieren.

Eine vorbeugende Maßnahme, um Operationen in einem fortgeschrittenen Alter zu vermeiden, ist die Entfernung des Zahnkeims, also sozusagen dem Zahnbaby, das sich noch im Wachstum befindet. Da der Zahn noch nicht seine volle Größe erreicht hat, ist eine Extraktion um einiges unkomplizierter. Vorbedingung für solch einen Eingriff ist allerdings, dass ein Zahnarzt oder Chirurg zuvor festgestellt hat, dass der Zahn auf kurz oder lang sowieso entfernt werden muss.

Nach der Operation

In vielen Fällen haben Patienten nach der Weisheitszahnextraktion ein relativ schmerzhaft angeschwollenes Gesicht. Dies kann sich auch darauf auswirken, wie sehr die Fähigkeit eingeschränkt wird, den Kiefer zu öffnen oder schmerzfrei zu schlucken. Manchmal können auch Nachblutungen auftreten.

Wichtig für den Heilungsprozess ist auch das Verhalten des Patienten: In der ersten Zeit nach der Operation – die vom Zahnarzt oder Chirurgen definiert wird – sollte so zum Beispiel auf Koffein, Tabak, Alkohol, aber auch Milch (wegen der Milchsäurebakterien) und grobkörniges oder hartes Essen verzichtet werden. Auch sportliche Aktivitäten behindern den Heilungsprozess stark. Genaue Informationen dazu erhält man jedoch auch sowohl vor als auch nach der Operation vom Zahnarzt oder Chirurgen.