Sprechstörungen – Der linguistische Alptraum

Es ist wirklich ein Alptraum: Da kannst du noch so kluge Gedanken haben und dir noch so geistreiche Gesprächsbeiträge zur Verfügung stehen, aber jedes Mal, wenn du etwas sagst, ist da diese gewisse phonetische Fehlerhaftigkeit. Die Rede ist hier von einer Sprechstörung. Diese kann sich in unfassbar vielen verschiedenen Facetten äußern; die wohl bekannteste ist das Lispeln, aber auch Stottern und Stammeln können dahingehend auftreten.

Welche Ursachen können Sprechstörungen haben?

Sprechstörungen können durch die verschiedensten Gründe entstehen, sie können sich sogar von Geburt an entwickeln. Dabei muss auch zwischen verschiedenartigen Ursachen unterschieden werden, hauptsächlich in einerseits physischer und andererseits psychischer Hinsicht.

Die erste dieser beiden Möglichkeiten ist meist durch beispielsweise fehlerhafte Zahnstellungen oder generelle Probleme beim Bewegen der mundinternen Muskeln bedingt. Dazu gehört beispielsweise eine Störung der Kiefer- oder Zungenmuskulatur. Vor allem Zahnfehlstellungen aber sind ein stark begünstigender Faktor von Sprechstörungen, da die Zunge selbst bei funktionierenden Muskelfähigkeiten nicht optimal mit den Zähnen zur Lautbildung zusammenarbeiten kann. Selbstverständlich gibt es aber auch Fälle, in denen jemand von Geburt an Zahnfehlstellungen hat, die auch nach dem Zahnwechsel bestehen bleiben, und deshalb auch aus Gewohnheit mit der Situation umzugehen gelernt hat. Die Aussprache kann dann auch trotz der Fehlstellungen fehlerfrei sein.

Sehr viel komplexer sieht es da schon bei den psychisch bedingten Ursachen für Sprechstörungen aus. So können sich diese beispielsweise durch ein wie auch immer geartetes traumatisches Erlebnis in der Kindheit oder Jugend, allerdings auch noch im hohen Erwachsenenalter, entwickelt haben. Die Art des Traumas ist dabei, wie gesagt, völlig unterschiedlicher Natur, es muss nicht einmal unbedingt etwas mit der Phonetik oder dem Sprechen an sich zu tun haben. Allerdings kann auch ein kleines, scheinbar unbedeutendes Erlebnis (wie zum Beispiel der Hinweis aus dem näheren Umfeld, mit deiner Aussprache sei etwas nicht in Ordnung) eine fördernde Wirkung auf die Sprechstörung haben.

Welche Risiken gehen von Sprechstörungen aus?

Wie auch bei den Ursachen liegt hier ein besonderer Fokus auf den psychischen Aspekten, die eine Sprechstörung nach sich ziehen kann. Vor allem, wenn du dir dieser Störung bewusst bist, kann dies einen stark negativen Effekt auf dein Selbstvertrauen haben, infolgedessen meist auch auf das therapeutische Beheben der Sprechstörung. Dies gestaltet sich in der Regel so, dass die Sprechstörung allein dafür sorgt, dass du seltener und leiser, möglichst unauffällig also, etwas sagst, in der Angst vor Spott von außen. Als Spott kann hier schon ein sogenannter schiefer Blick interpretiert werden. Alles in allem ist es eine sehr unangenehme Situation. Je nach Zustand des Selbstvertrauens kann diese Situation auch weitere Sprechstörungen begünstigen, die bis dato noch gar nicht aufgetreten sind.

Und damit noch nicht genug, denn neben dem aktiven Aspekt gibt es da auch noch den passiven: Leider sind auch Personaler in Unternehmen der heutigen Zeit teils darauf bedacht, auf eine flüssige und fehlerfreie Aussprache ihrer Bewerber zu achten, insbesondere in Berufsfeldern, bei denen eine regelmäßige mündliche Kommunikation mit Kunden stattfindet. Mit dem Wissen, unter einer Sprechstörung zu leiden, in ein solches Bewerbungsgespräch zu gehen, kann sich sehr schnell zu einer immensen Belastung entwickeln.

Wie kannst du gegen Sprechstörungen vorgehen?

Auch da müssen wieder die Ursachen beleuchtet werden. Denn natürlich muss gegen eine psychisch bedingte Sprechstörung anders vorgegangen werden als gegen eine physisch bedingte.

Solltest du aufgrund einer wie auch immer gearteten psychischen Beeinträchtigung unter einer Sprechstörung leiden, so ist sowohl eine Behandlung bei einem Psychotherapeuten als auch der Besuch bei einem Logopäden sehr empfehlenswert. Ein Therapeut wird dabei versuchen, die Ursache der Sprechstörung herauszufinden und dir zu helfen, diese besser verarbeiten zu können, damit du eine psychische Entlastung erfahren und infolgedessen dein Selbstvertrauen aufbauen kannst. Der Logopäde unterstützt dies durch Muskelentspannungsübungen und einer bewussteren Wahrnehmung von Sprache.

Ist deine Sprechstörung physisch bedingt, also (in Anführungszeichen) nur eine Folge von beispielsweise Zahnfehlstellungen oder Muskelstörungen, dann empfiehlt sich zwar auch hier ein Besuch beim Logopäden, allerdings reicht dies noch nicht aus. Vielmehr solltest du auch deinen Zahnarzt und/oder Kieferorthopäden aufsuchen, damit dieser sich die Beschaffenheit deiner Zähne und deiner Gesichtsmuskulatur einmal genauer ansieht. Je nach dem, ob du beispielsweise unter Zahnfehlstellungen leidest und diese ursächlich für deine Sprechstörung sind, kann er dir unter anderem das Tragen von Zahnschienen empfehlen. Mithilfe dieser Schienen können deine Zähne in einem kurzen Zeitraum von wenigen Wochen bis Monaten sukzessive begradigt werden. Dies hat vor allem auch in psychischer Hinsicht den Vorteil, dass nicht nur deine Sprechstörung dadurch behoben wird, sondern sich dein Gebiss verschönert, was ja auch super für dein Selbstvertrauen wäre.