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Selbstregenerierende Zähne? – Vielleicht bald gar nicht mehr so utopisch!

Wer Zahnbeschwerden oder Schmerzen hat, der geht zum Zahnarzt. Oder zum Kieferorthopäden, ganz egal, wer auch immer gerade mehr Zeit hat oder besser erreichbar ist – Hauptsache die Schmerzen verschwinden so schnell wie möglich. Wie wir ja mittlerweile wissen, gehören Zahnschmerzen neben Ohrenschmerzen zu den unangenehmsten und unerträglichsten Arten von Schmerzen, die man so haben kann. In den meisten – sprich: fast allen – Fällen hilft da nur noch ein professioneller Eingriff des Zahnarztes oder Kieferorthopäden.

Allerdings gibt es ein paar neue Sterne am Forschungshimmel: In Form von potenziellen Erkenntnissen, dass Zähne vielleicht sogar schon in der Lage sein könnten, sich selbst zu regenerieren. – Du hast es beim Lesen des letzten Satzes vielleicht selbst schon gemerkt: Das sind eine ganze Menge Konjunktive. Denn noch steht die Forschung zu diesem Thema sozusagen in den Startlöchern. Werfen wir einmal einen genaueren Blick auf dieses Thema.

Stammzellen geben neue Lösungsansätze

Die ersten Grundbausteine für die neuen Thesen stammen von der Technischen Universität (TU) Dresden. Dort wurde, tatsächlich eher durch eine Art Zufall, entdeckt, dass es in den Frontzähnen von Mäusen eine neue Art von Stammzellen gibt, die sich populationsartig ansiedeln.

Stammzellen sind essenziell für die Bildung und Entstehung von neuem Gewebe. Ohne sie könnten blutende Wunden beispielsweise nicht wieder verheilen. So können sie sich unter anderem auch zu ganz bestimmten Zelltypen spezialisieren, wie etwa bei den Mäusen, wo sie sich als sogenannte mesenchymale Stromazellen in deren Frontzähnen ansammeln. Dort tragen sie maßgeblich zur Bildung von Dentin bei, dem Hartgewebe, das unter dem Zahnschmelz eines jeden Zahnes liegt.

Sobald diese Stammzellen aktiviert werden, wandern sie bei Infektionen durch den Zahn und senden ein Signal an die sogenannten Mutterzellen des Gewebes. Über ein Protein-Gen, nämlich das DLK1, können die Stammzellen dann sogar die Anzahl der Zellen steuern, die neu produziert werden. Aus diesem Grund, so hat auch das Forscherteam an der TU Dresden festgestellt, muss das Gen zwingend vorhanden sein. Ohne dies ist der ganze Vorgang nicht möglich.

Außerdem stellten die Forscher auch fest, dass das DLK1-Gen auch zur Verbesserung der Aktivierung von Stammzellen und der Generation von Gewebe im Wundheilungsprozess beitragen kann. In Hinsicht auf die Regeneration beschädigter Zähne ist dies also eine herausragende Erkenntnis; zum Beispiel Karies oder Verletzungen an den Zähnen könnten somit durch den Körper selbst wieder geheilt werden.

Idee dahinter ist nicht neu

So aktuell die Studien und die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind; die Idee dahinter, dass Zähne sich im Prinzip selbst heilen können, ist nicht neu. So führten Wissenschaftler am Londoner King’s College bereits 2017 Tests an einem Medikament durch, das genau dies zur Folge haben sollte: Den Selbstheilungsprozess von Zähnen zu verbessern. Was daran etwas überrascht, ist die Tatsache, dass dieses Medikament, nämlich Tideglusib, ursprünglich eigentlich in Alzheimer-Studien eingesetzt wurde.

Dafür nahmen die Forscher in London ebenfalls Mäusezähne für die Initialtests und bohrten kleine Löcher hinein, in das sie Schwämmchen getränkt mit Tideglusib stopften. Was sie dabei feststellten, war, dass durch Tideglusib die Stammzellen im Zahn stimuliert wurden und diese (in ebenjenem Ablauf wie bei den Mäusen in Dresden 2019) daraufhin die Fähigkeit zur Selbstheilung bei Zähnen unterstützen – und das völlig ohne Füllungen aus Zement, Gold, Amalgam oder Kunststoff. Nach wenigen Wochen war es den Stammzellen in den Mäusezähnen gelungen, genug Dentin zu bilden, um die Löcher ohne Hilfe von außen wieder zu verschließen.

Der Vorteil daran besteht vor allem in medizinisch-biologischer Hinsicht: Kann sich der Zahn selber heilen, ist dies die weitaus gesündere und sicherere Art und Weise als eine Behandlung von außen. So kann nämlich auch die Vitalität des Zahns sichergestellt werden. Bei einer Wurzelkanalbehandlung hingegen wird der Zahn meist unwiderruflich abgetötet, die Wurzel entfernt und mit einer Füllung oder einem Implantat versiegelt.

Fazit: Es muss noch weitergeforscht werden

Obwohl das Medikament Tideglusib schon als ungefährlich für Menschen gilt, da es ja auch zur Behandlung von Alzheimer in Betracht kommt, müssen noch weitere Tests gemacht werden, bevor wirklich eindeutig gesagt werden kann, dass seine Anwendung auch erfolgreich und risikofrei durchgeführt werden kann. Sollten die Tests jedoch positiv ausfallen, wäre das relativ revolutionär für die heutige Zahnmedizin, würde unzählige Ärzte in ihrer Arbeit entlasten und vielen Patienten die Möglichkeit geben, auf eine gesunde Art und Weise ihre Beschwerden zu beheben.