Patricks Dentalphobie – Erfahrungsbericht eines Angstpatienten

Hallo, mein Name ist Patrick, ich bin 26 Jahre alt und leide seit ich denken kann an einer unüberwindbaren Angst vorm Zahnarztbesuch. Heutzutage gibt es dafür sogar einen Namen, die sogenannte Dentalphobie. Darüber will ich hier ein wenig berichten, denn selbstverständlich bin ich nicht der einzige mit diesem Problem. Aus Erfahrung weiß ich außerdem, dass viele Betroffene sich angesichts ihrer Situation eine wie auch immer geartete Therapie dazu wünschen, die ihnen helfen kann, dieses Problem zu überwinden.

Nun bin ich leider kein ausgebildeter Psychologe, aber ich erhoffe mir, durch das Teilen meiner Erfahrungen Betroffenen den Anstoß geben zu können, ihre Phobie systematisch anzugehen und im besten Fall zu überwinden. Schließlich birgt sie neben der hohen psychischen Belastung auch physische Gefahren.

Fangen wir bei meiner Kindheit an

Meine ersten Erinnerungen an die Wichtigkeit des Zähneputzens reichen zurück in mein Grundschulalter. Mein Vater war damals einer der begeistertsten Zahnputzhelfer, den man sich wünschen kann. Jeden Morgen und jeden Abend standen wir vor dem Spiegel am Waschbecken und putzten uns gemeinsam die Zähne. Dabei fungierte er als Vorbild und als Lehrer, indem er mir die richtige Putztechnik zeigte, mir regelmäßig vor Augen führte, wie wichtig das Zähneputzen ist und darauf bestand, dass ich nach jedem Zahnputzvorgang eine Fluoridtablette zerkaute, um meinen Zähnen einen zusätzlichen Schutz zu geben. Einer der SmileMeUp-Blogbeiträge zum Thema Zahnpflege zeigt ein Titelbild, das die Leidenschaft meines Vaters nicht besser widerspiegeln könnte. So in etwa sah das aus, wenn wir uns zweimal täglich ans Waschbecken stellten.

Jedoch – du ahnst es schon – kam es genauso, wie es kommen musste. Ich wurde älter, kam in die Pubertät und fand plötzlich keinen so großen Gefallen mehr an elterlichen Ratschlägen und Weisheiten. Und die Zeiten der väterlichen Anwesenheit beim Zähneputzen waren ebenfalls lange vorbei. Rückblickend betrachtet hätte ich damals eine saftige Ohrfeige von mir selbst für meine Faulheit und Ignoranz verdient.

Als ich circa 15 Jahre alt war, putzte ich mir ungefähr einmal die Woche die Zähne, so für ca. 30 Sekunden. Alles darüber bereitete mir bereits Schmerzen, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits Löcher in den Zähnen und ein überdurchschnittlich anfälliges Zahnfleisch hatte. Schon das Essen eines Apfels verursachte Zahnfleischbluten. Zahnarztbesuche? Verbunden mit brutalsten Schmerzen? Nie im Leben! Ich redete mir ein, mit dem Problem schon allein fertig werden zu können. Nächtliche Panikattacken wurden häufiger; keine sonderlich empfehlenswerte Situation für einen Teenager. Hinzu kamen natürlich der ständige Mundgeruch und immer häufiger auftretende Schmerzen beim Essen.

Höhepunkt der Verwahrlosung

Als ich 20 Jahre alt war, hatte sich trotzdem immer noch nicht sonderlich viel an meiner Hingabe geändert. Immer noch vernachlässigte ich die Zahnhygiene deutlich stärker als empfehlenswert, aß aber trotzdem jeden Tag sehr viel Süßkram wie Schokolade oder Joghurt, Weißbrot, so gut wie kein Obst und Gemüse. Außerdem hatte ich angefangen zu rauchen, und zwar nicht wenig.

Vor allem: Die wenigen Zahnarztbesuche, die ich hatte, waren teilweise mit immensen Schmerzen verbunden, was mich davon abhielt, weitere Behandlungstermine auszumachen oder einzuhalten. In einem Zeitraum von nicht einmal einem Jahr mussten mir drei völlig zerstörte Backenzähne gezogen werden, jedes Mal nur infolge unerträglicher Zahnschmerzen. Und obwohl ich vor jedem Zahnarztbesuch in panische Angstzustände verfiel, wurde der Zahnarzt für mich eine Art Freifahrtschein, meine schlimmsten Schmerzen von jetzt auf gleich loszuwerden. Na und, fehlen mir halt ein bis zwei Zähne, ist doch halb so wild, dachte ich mir. – Wie gesagt, die Ohrfeige war überfällig.

Allerdings: Sie kam tatsächlich – sinnbildlich, in Form einer Röntgenaufnahme meines Gebisses, die mir nach der dritten Ziehung vor die Nase gehalten wurde.

Der Wendepunkt

Dieses Röntgenbild öffnete mir die Augen dafür, was ich mir selbst da eigentlich jahrelang angetan hatte. Kein einziger Zahn war vollständig erhalten, Löcher über Löcher. Ich hatte wahrscheinlich mehr Kariesbakterien als normale Mikroorganismen im Gebiss.

Zuhause erwartete mich eine der ängstlichsten Zeiten meines Lebens. Egal, was für abwegige Pläne ich des Nachts, stundenlang wachliegend im Bett, ausheckte: Sie alle waren nicht mal ansatzweise erfolgversprechend, geschweige denn umzusetzen. Irgendwann war ich bereit, eine Bank auszurauben, um mir davon ein neues, künstliches Gebiss leisten zu können. Ich musste mir eingestehen, einer Behandlung beim Zahnarzt nicht mehr ausweichen zu können. Und dann geschah etwas Wundervolles.

Als ich ein paar Wochen später zitternd und heulend vor Angst den nächsten Zahnarztbesuch wahrnahm, bekam ich erstmals in meinem Leben eine örtliche Betäubung gespritzt. Und als ich da im Behandlungszimmer lag und mich auf die Schmerzen des Lebens vorbereitete, da jemand im Begriff war, mit metallischen Geräten an meiner Zahnwurzel zu hantieren, merkte ich recht bald, dass die Schmerzen einfach ausblieben. Ich konnte einfach nur da liegen, die Augen schließen, beruhigende Musik auf Kopfhörern hören, während studierte Profis meine Zähne reparierten – und ich bekam nicht einmal etwas davon mit. Ich erinnere mich noch ganz genau, dass ich die Praxis auch mit Tränen in den Augen wieder verließ, allerdings waren es diesmal Freudentränen. Dieser Tag ist rückblickend der Wendepunkt meiner Dentalphobie.

Und heute?

Auch heute noch bekomme ich ein mulmiges Gefühl bei der Vorstellung, meine Zahnärztin aufzusuchen. Doch die Tatsache, dass sie mein Gebiss in einem Zeitraum von nicht einmal zwei Monaten vollständig reparieren konnte und ich heute keinerlei nennenswerte Beschwerden mehr habe, lässt mich dieses Gefühl jedes Mal einfach überwinden. Und ja – es ist möglich, diese Überwindung zu schaffen, denn warum sollte ich Angst vor jemandem haben, der nicht länger angsteinflößend ist? Keine Schmerzen bereitet? Sich um mich kümmert? Denn auch das ist einer der Punkte, für die ich meiner Zahnärztin ewig dankbar sein werde: Ihre Rücksicht auf meine Psyche war zu jeder Sekunde vorbildlich. Bei jedem noch so kleinen Zucken meinerseits – das immer aus einer ängstlichen Anspannung und nie aus tatsächlichen Schmerzen herrührte – unterbrach sie die Behandlung sofort und fragte nach, ob alles in Ordnung sei. Ob die Betäubung zu schwach sei, ich Schmerzen hätte, ich irgendwas an Ablenkung zur Beruhigung bräuchte, wie beispielsweise meine Kopfhörer. Und so weiter.

Was ich hier jedem weiteren Betroffenen einer Dentalphobie wärmstens und herzlichst ans Herz legen möchte, ist eine recht trockene Information: Die Zahnärzte von heute sind nicht mal ansatzweise mit denen von noch vor 20 Jahren zu vergleichen. Die Zeiten haben sich geändert und Angstpatienten sind eines der wichtigsten Themen im Zahnmedizinstudium. In einem anderen Blogbeitrag von SmileMeUp heißt es, Zahnärzte sind heutzutage keine bösen Monster mit Bohrer mehr, sondern mitfühlende und rücksichtsvolle Profis, die alles daran setzen, dass ihre Patienten nie wieder Schmerzen erleiden müssen, vor allem nicht bei der Behandlung.

Kann ich so unterschreiben. Liebe Grüße,

Patrick