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Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – Definition, Folgen und Behandlung

Hin und wieder entwickelt sich eine neue Krankheit. Das kommt vor. So war es zum Beispiel auch mit AIDS zu Beginn der 1980er Jahre oder der Spanischen Grippe ab 1918. Die Ursachen dafür können vielfältig sein, so wird zum Beispiel teils davon ausgegangen, dass sogar erst neue Medikamente gegen neuartige Krankheiten überhaupt erst andere Krankheiten auslösen können.

Selbstverständlich ist auch die Natur in ständiger Entwicklung und Umwandlung, sodass es möglich sein kann, dass sich sozusagen über Nacht neue Parasiten und Viren entwickeln, die die Menschen ungeahnt des Risikos in Form von Lebensmitteln zu sich nehmen. So geschehen übrigens bei der oben genannten Spanischen Grippe von 1918 bis 1920. Es wird davon ausgegangen, dass sich das Virus, das für den Ausbruch der Grippe verantwortlich war, zuallererst an einer Gurke ansiedelte, die versehentlich gegessen wurde.

Und so gibt es nach diesem Muster auch heute noch Krankheiten, die scheinbar aus dem Nichts kommen und sich rasant ausbreiten. Dabei muss nicht mal unbedingt gesagt sein, dass infizierte Patienten selbst für die Übertragung an andere sorgen. Es kann natürlich auch sein, dass beispielsweise viele Menschen einen bestimmten Virus über Lebensmittel oder ähnliches zu sich nehmen und sich die Krankheit dementsprechend verbreitet.

Eine von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde im Mai 2018 herausgegebene Pressemitteilung nennt eine solche „neue Volkskrankheit“ die sogenannte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH. (Allgemein wird sie auch als Kreidezähne bezeichnet.) Darüber wollen wir heute ein bisschen Auskunft geben.

Was ist die MIH?

Die Pressemitteilung definiert die MIH als „eine systemisch bedingte Strukturanomalie primär des Schmelzes“. Sie äußert sich durch weiß-gelbe bis gelb-braune Stellen am Zahnschmelz. Dabei greifen diese Stellen den Zahnschmelz nicht unbedingt an, sondern vielmehr sind es Mineralisationsstörungen. Das heißt so viel wie dass der Zahnschmelz von innen heraus nicht mehr genug Minerale erhält, die ihn stabil machen.

Infolgedessen kommt es bei Betroffenen sehr häufig dazu, dass von den einzelnen Zähnen an den Höckern Teile absplittern. Auch können ganze Teile des Zahns fehlen, sowohl am Schmelz als auch am Dentin. Diese fehlenden Stellen können außerdem unterschiedlich groß sein. Als weitere Folge sind die angegriffenen Zähne ziemlich kälteempfindlich und schmerzen beim Zähneputzen.

Die Ursachen der Entwicklung von Kreidezähnen sind noch weitgehend unbekannt. Man weiß zwar, dass die Zähne unter einer Untermineralisation leiden. Nur wo diese herkommt, ist noch unklar. Es gibt lediglich Theorien dazu; die meisten basieren auf der Annahme, dass dies ein „multifaktorielles Geschehen ist“, also von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.

Vor allem bei kleinen Kindern gehört dazu unter anderem, dass die Mutter in den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft erkrankt ist oder es Komplikationen bei der Geburt gab. Auch wird vermutet, dass häufige Erkrankungen von Kindern in ihren ersten Lebensjahren für Kreidezähne verantwortlich sein können. Dazu gehört vor allem hohes Fieber. Des Weiteren wird zurzeit darüber diskutiert und Versuche angestellt, ob nicht auch ein Mangel an Vitamin D sowie eine frühzeitige Einnahme von Amoxicillin Kreidezähne hervorrufen können.

Behandlung von Kreidezähnen

Da es hauptsächlich der Mangel an Mineralien ist, der die Zähne am schwersten schädigt, ist es wichtig, die Zähne von außen mit solchen zu versorgen. Dies geht am besten durch das Einnehmen von Fluorid. Vor allem in einem frühen Kindesalter wird dabei empfohlen, diese Fluoridierungsmaßnahmen intensiv zu betreiben, damit die Zähne vor Karies geschützt werden. Als konkrete Maßnahmen können da die Anwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta zum Einsatz kommen, fluoridhaltigem Speisesalz und hochkonzentriertem Fluorid-Gelee. Zusätzlich sollte alle drei bis sechs Monate ein Zahnarztbesuch angesetzt werden.

Wenn die Kreidezähne schon im Status der Milchzähne beschädigt sind, ist es möglich, dass dies auch auf die bleibenden Zähne zutrifft, sobald diese durchbrechen. In diesem Fall sollten längere Behandlungen beim Zahnarzt angesetzt werden, damit dieser die Zähne mithilfe unterschiedlicher Techniken sukzessive wieder aufbauen und das Kariesrisiko dementsprechend senken kann.