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Die Zahnbürste teilen – Kostenlose Einladung an alle Bakterien

Was sich für die einen anhört wie pure Leichtsinnigkeit, die fast an Wahnsinn grenzt, ist für ein paar andere Normalität. Eine aus gesundheitlicher Hinsicht wirklich sehr grenzwertige Normalität, denn sie ist fast so gefährlich, wie ungesichert klettern zu gehen oder mit verbundenen Augen Fahrrad zu fahren: Die Rede ist davon, sich ein- und dieselbe Zahnbürste mit Mitmenschen zu teilen.

Und wir übertreiben da nicht in den Vergleichen. Je nachdem, wie die Mundflora des jeweils anderen aussieht, kann dies wirklich gesundheitsgefährdend sein. Das weiß man nur leider immer erst im Nachhinein. Wir wollen dies hier einmal etwas genauer beleuchten, damit du auch genau bescheid weißt, welche Risiken und Gefahren von diesem Lebensstil ausgehen. Denn augenscheinlich ist vielen Menschen gar nicht bewusst, welche Risiken sie eingehen, wenn sie ihre Zahnbürste mit anderen Menschen teilen.

Mundraum randvoll mit Bakterien

In unserem Mund sammeln sich innerhalb kürzester Zeit eine große Menge verschiedenster Bakterien. Das ist per se gar nicht mal etwas schlechtes, denn schließlich sind erst die vielen Bakterien für unsere ausgeprägte Mundflora verantwortlich, die für den Menschen ja auch gesund ist.

Um die Bakterienbevölkerung allerdings nicht Überhand nehmen zu lassen und die Schädlinge unter ihnen aus unserem Mund zu verbannen, müssen wir uns ab und zu die Zähne putzen. Im gesamten restlichen Mundraum, sprich Zunge, Gaumen, Rachen und in den Wangenhöhlen gibt es bakteriell gesehen genug Abwechslung, damit die schädlichen Bakterien sich dort nicht langfristig absetzen und ernsthafte Schäden anrichten können. Dies geschieht durch den ständigen Austausch und dem Hinzufügen von Abwehrkörperchen und nützlichen Bakterien, die der Körper teils selbst herstellt.

Unsere Zähne jedoch sind, anders als die weichen Schleimhäute in unserem Mund, nicht wirklich in Bewegung. Sie sind auf eine Reinigung von außen angewiesen, weil die schädlichen Bakterien sich sonst an ihrer harten Außenhülle ansammeln und festsetzen können. Ist dies einmal geschehen, fangen sie an, sich stetig an dem Material zu nähren, auf dem sie haften, und sich zu vermehren. Es ist eine Art Kreislauf, die nur unterbrochen werden kann, indem etwas für sie noch größeres, böseres kommt und ihnen den Garaus macht. Die Rede ist hier natürlich von der Zahnbürste, gegen die sie keine Chance haben.

Das Problem, was sich nun leider ergibt, ist der Tatsache geschuldet, dass im Prinzip jedes Immunsystem eines jeden Menschen ganz anders aufgebaut ist. Denn jeder Mensch hat andere Erfahrungen mit Krankheitserregern gemacht, oder beispielsweise auch eine völlig eigene Ernährungsweise. Dabei kommt es nicht nur darauf an, was man isst, sondern auch wie viel.

Die Individualität des Immunsystems

Benutzen wir nun die Zahnbürste eines Mitmenschen, gehen wir das Risiko ein, die Krankheitserreger, die vorher noch an dessen Zähnen gehaftet haben und sich nun auf der Zahnbürste befinden, auf unseren Zähnen und in unserem Mundraum zu verteilen. Und mit etwas Pech kann es dazu kommen, dass unser Immunsystem dann keine passenden Antworten, sozusagen Gegenspieler, auf die Erreger hat und sich die Erreger ungehindert in unserem Körper ausbreiten können, woraufhin wir vielleicht sogar ernsthaft erkranken können. Aus demselben Grund benutzen wir ja auch nicht dasselbe Besteck wie jemand, mit dem wir am Tisch sitzen und essen.

Auch macht es tatsächlich nicht den geringsten Unterschied, wer genau es ist, mit dem eine Zahnbürste geteilt wird, weil es letzten Endes egal ist, wie viel Prozent der DNA man teilt. Das Immunsystem hat nicht viel, auf jeden Fall nicht genug, mit der DNA zu tun, als dass dies wirklich einen signifikanten Faktor darstellen würde. Das Immunsystem ist ein ständig lernendes und besser werdendes Programm auf unserem Computer namens Körper. Die DNA ist lediglich das Betriebssystem, dass den Computer überhaupt laufen lässt. Trotzdem kann jeder noch so leistungsstarke PC auch einem Virus zum Opfer fallen, auf den er nicht vorbereitet ist.

Rückwirkend bedeutet dies, dass es völlig egal ist, ob wir eine Zahnbürste mit unseren Eltern, Kindern, unseren Onkeln, Tanten und so weiter teilen, ob wir sie mit einem Geliebten teilen oder engen Freunden, mit denen wir keinerlei DNA-Übereinstimmungen haben.

Übrigens: Viele Menschen glauben, nach der oben genannten Logik wäre es ja dann auch gesundheitsgefährdend, wenn sich Paare küssen. Ein Kuss jedoch beschränkt sich in so gut wie allen Fällen auf den Austausch von Speichel, die Zähne kommen dabei im Normalfall gar nicht in Berührung miteinander.