Jetzt mit kostenlosem Abdruckset starten!

Die Kiefersperre – Ursachen und Behandlung

Gerade noch ist alles in Ordnung. Du bist vielleicht auf der Arbeit und machst, was du da so machst, oder du besuchst deine Eltern mal wieder, oder sitzt im Kino. All das ist natürlich nichts wirklich Abenteuerliches. Es ist ja nicht so, als würdest du gerade in einer Achterbahn sitzen und das Adrenalin deinen Körper nur so durchfluten. Außerdem hast du letzte Nacht nicht sonderlich gut schlafen können, aus was für Gründen auch immer. Fazit bleibt: Du bist irgendwie müde.

Und dann passiert es: Aufgrund der Eintönigkeit deiner aktuellen Beschäftigung und dem fehlenden Serotonin in deinem Körper wirst du nicht richtig wach und musst gähnen. Nichtsahnend reißt du deinen Mund auf.

Plötzlich ein höllischer Schmerz in deinem Kiefer, so stark und stechend, dass du glaubst, dieser Schmerz geht nie wieder weg. Auf einmal bist du hellwach, panisch. Versuchst, deinen Mund wieder zu schließen, doch es geht nicht. Der Schmerz verschlimmert sich, explodiert mit jeder Bewegung, sobald du weiter versuchst, den Mund zu schließen.

Doch was du auch machst, welche Strapazen du aufgrund des brüllenden Schmerzes in deinem Kiefer auch auf dich nimmst: Es hilft alles nichts. Zitternd und schwitzend schaffst du es irgendwie, deinen Mitmenschen zu signalisieren, was los ist, und sie bringen dich in die nächstgelegene Arztpraxis oder Notaufnahme.

Was dir da gerade passiert ist, nennt man landläufig auch eine Kiefersperre. Die Kiefersperre ist sozusagen das Gegenteil einer Kieferklemme, bei der es nur unter Schmerzen möglich ist, den Mund überhaupt zu öffnen. Die Kiefersperre ist allerdings weitaus schmerzhafter und tritt auch sehr viel öfter auf als die Kieferklemme.

Wie lässt sich die Kiefersperre erklären?

Im Prinzip ist es ganz einfach. Dein Unterkiefer hängt an seinen oberen beiden Enden jeweils links und rechts am Kopf in einem Kiefergelenk. Diese Gelenke sorgen mit einer ganzen Menge weicherem Knorpel dafür, dass du deinen Unterkiefer nach oben und unten klappen kannst, was ja unter anderem zum Atmen, Essen und Sprechen essenziell ist.

Mit Kiefersperre zum Zahnarzt oder Kieferorthopäden

Allerdings kann es vorkommen – nämlich sobald der Kiefer in einer ungünstigen Haltung zu weit aufgeklappt wird – dass die beiden Gelenk-Enden des Unterkiefers aus den Halterungen vom Oberkiefer rutschen. Vergleichbar ist das mit einer ausgekugelten Schulter. Auch dort rutscht der Gelenkkopf des Oberarmes aus der für ihn vorgesehenen Mulde in der Schulter. 

Das Problem an ausgekugelten Gelenken ist leider, dass der Körper für so einen Fall nicht extra Platz für solche Situationen geschaffen hat. Ist die Kugel eines Gelenkes aus ihrer Halterung, nimmt sie woanders Platz ein, der eigentlich für anderes bestimmt ist. Und in den allermeisten Fällen ist genau dies mindestens ein Nervenstrang, der durch die Auskugelung Platz machen muss und zur Seite gedrängt wird. Nicht selten werden die Nerven dabei eingequetscht oder übermäßig stark strapaziert. Infolgedessen – man denke zum Beispiel an Zahnschmerzen, die auch lediglich durch Nerven ausgelöst werden, die mit Fremdkörpern in Berührung kommen – senden die Nerven starke bis unerträgliche Schmerzsignale ans Gehirn.

Was ist bei einer Kiefersperre zu tun?

Es gibt nicht viele Maßnahmen, die du ergreifen kannst, wenn du dir den Unterkiefer ausrenkst. Die wenigen in Betracht kommenden sind jedoch sehr effektiv, wenn auch so gut wie immer mit stärksten Schmerzen verbunden. Außerdem sind die Folgen, auch bei erfolgreichem Lösen der Kiefersperre meist starke Kieferverspannungen.

Mann mit Kiefersperre hat Schmerzen

Zunächst gibt es da den sogenannten Hippokrates-Handgriff. Bei diesem wird der Unterkiefer mit einem leichten bis mäßigen Druck nach unten und nach vorne geschoben, damit der Kopf des Gelenkes sich wieder in die ursprüngliche Position einrenken kann. Doch selbst wenn dies erfolgreich gelingt, kann es sein, dass du danach noch einige Zeit ziemliche Schmerzen verspürst, weil die Nerven sich erst wieder entspannen müssen.

Doch Vorsicht! Nicht jeder Mensch beherrscht den Griff auch. Und selbst wenn du ihn selber schon erfolgreich angewandt hast, ist nicht gesagt, dass du unter deinen akuten Schmerzen, die bei jeder Berührung nur noch schlimmer werden, auch dazu in der Lage bist, das Problem allein zu lösen. Wende dich am besten an jemanden, dem du vertraust, wenn er dir sagt, dass er das auch kann und Erfahrung damit hat.

Alternativ gibt es natürlich immer die Möglichkeit, einen Arzt oder Kieferorthopäden aufzusuchen. Sollten allerdings auch diese nichts ausrichten können, werden sie dich wahrscheinlich an die nächstgelegene Notfallambulanz verweisen, wo ein kleiner operativer Eingriff vorgenommen wird, damit sichergestellt ist, dass das Wiedereinrenken deines Kiefers auch ohne Komplikationen verläuft. In vielen Fällen bekommst du gegen deine Schmerzen dort auch eine Betäubung, wenn du diese nicht sowieso schon vorher vom Arzt oder Kieferorthopäden bekommen hast.

 

Bildnachweis: © Tommaso Altamura, hikdai