Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Zähneputzen?

In Kindheitstagen ist dir sicherlich folgender Merksatz gepredigt worden: „Vor dem Schlafen, nach dem Essen: Zähneputzen nicht vergessen!“ Da man als junger Mensch eher nicht dazu neigt, festgelegte Regeln der Eltern und des allmächtigen Onkel Zahnarzt infrage zu stellen, prägt sich dieser Leitsatz bei vielen Menschen langfristig ein.

Der Grund dafür liegt relativ klar auf der Hand: Wenn du den Bakterien, die kariesfördernd arbeiten, nach dem morgendlichen Aufstehen beim Zähneputzen ihre „Nahrung“ entziehst, aber dann durchs Frühstück sofort Nachschub lieferst, dann hättest du den Putzvorgang auch gleich sein lassen können.

Auf die Mahlzeit kommt es an

Zunächst einmal muss unterschieden werden zwischen den verschiedenen Arten von Nahrung, die du morgens zu dir nehmen kannst.

Zum einen gibt es da zuckerhaltige Lebensmittel. Dazu gehören Nuss-Nugat-Cremes, Honig, Marmelade, aber auch in Fleischwurst und Salami ist mittlerweile Zucker zu finden. Sollte etwas derartiges zu deinem Frühstück gehören, ist es nur empfehlenswert, dass du dir am besten sofort nach dem Essen die Zähne putzt. Der Zucker macht dein Gebiss sozusagen zu einem El Dorado für Kariesbakterien und kann auf Dauer dafür sorgen, dass deine Zähne unter Kariesbefall leiden oder mindestens brauen Verfärbungen aufweisen, die ab einem gewissen Grad lediglich durch professionelle Zahnreinigungen zu beseitigen sind.

Anders sieht es da schon bei säurehaltigem Essen aus, wie beispielsweise Obst und Säfte. Die Säure lagert sich nicht einfach nur auf Zähnen und Zahnfleisch ab, sondern greift die Zähne durch ihre ätzende Wirkung sogar ein wenig an. Dieser Vorgang wird in der Regel innerhalb der darauffolgenden circa 2 Stunden vom Speichel gestoppt, der die Säure neutralisiert und die Zähne remineralisierend stärkt. Solltest du allerdings sofort nach einem säurehaltigen Frühstück die Zähne putzen, so hat der Speichel keine Zeit, die Säure zu neutralisieren. Diese Tatsache in Kombination mit dem Einsatz von Bürsten, für die die Zahnoberfläche sodann besonders anfällig ist, kann dazu führen, dass die Oberfläche deiner Zähne leicht abgetragen wird. Langfristig kann sich dadurch ein Verlust von Zahnschmelz und Dentin einstellen, woraufhin die Zähne empfindlicher gegenüber Hitze, Kälte und anfälliger für Verfärbungen werden. Im Fachjargon wird bei so einem Vorgang auch von Erosionsdefekten gesprochen.

Der Zeitpunkt ist also essensbedingt

Im Prinzip ist es also ein recht einfacher Zusatz zur Regel. Diese bleibt nach wie vor bestehen, allerdings wird sie ergänzt durch die Bedingung, welche Art von Nahrung du zu dir nimmst. Zuckerhaltiges Essen: Danach Zähneputzen! Säurehaltiges Essen: Davor Zähneputzen, oder aber danach ca. 2 Stunden damit warten.

Es gibt allerdings eine Ausnahme von der Regel, aber diese Ausnahme hat selbst ebenfalls eine Regel. Die Ausnahme: Selbst bei einem süßen Frühstück besteht theoretisch die Möglichkeit, das Zähneputzen schon vorher zu erledigen. Regel dabei: In diesem Fall sollte du dies allerdings sehr gründlich und möglichst lange durchführen, sprich: Neben Zahnbürste und Pasta sollten auf jeden Fall auch Zahnseide und ähnliche Zahnpflegeprodukte benutzt werden, damit deine Zähne bereits bestens geschützt sind sobald du dich an den Frühstückstisch setzt. Achtest du auf die Einhaltung all dessen, sollten deine Zähne langfristig auch recht gut gegen Plaque und Karies geschützt sein.

Okay, der morgendliche Ablauf ist klar! Aber wie sieht’s abends aus?

Da sich das Abendessen meist signifikant vom Frühstück unterscheidet, solltest du nach dem Abendessen auf jeden Fall eine Weile (bestenfalls die oben genannten 2 Stunden) mit dem Zähneputzen warten, damit jeglicher Säurebefall deiner Zähne durch deinen Speichel neutralisiert werden kann. Denn unsere abendlichen Mahlzeiten bestehen meist aus eher säurehaltigen Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Softdrinks (Cola, Fanta etc.), Wein oder Salatdressings.

Übrigens gibt es ein bestimmtes Lebensmittel, das die Neutralisation der Säure um einiges beschleunigen kann, und zwar Käse. Dabei ist es fast schon egal, ob es sich um Gouda, Ziegenkäse oder Camembert handelt: Käse sorgt dafür, dass unser Speichel effizienter für die Säureverarbeitung auf Zähnen und Zahnfleisch sorgen kann.