Der Aufbau und die Entwicklung unserer Zähne

Unsere Zähne gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der menschlichen Evolution. Bei allen anderen Säugetieren sieht das zwar nicht anders aus, aber Tiere schreiben keine Blogartikel darüber und sind auch sonst eher dazu geneigt, auf eine ausführliche Beratung zur Pflege und Gesundheit ihrer Zähne zu verzichten.

In erster Linie dienen unsere Zähne dazu, die Nahrung, die wir tagtäglich zu uns nehmen, in eine verdaubare Form umzuwandeln. Konkret heißt das: Die Nahrung wird zerteilt und mit Speichel zersetzt, den wir jederzeit produzieren. Dieser Vorgang ist notwendig, damit wir die Nahrung erstens schmerzfrei runterschlucken können und zweitens der Magen sie einfacher und schneller verdauen kann.

Aber auch die einzigartige Fähigkeit der Menschen, eine auf Regeln aufgebaute Sprache zu entwickeln, wäre ohne unsere Zähne nicht möglich gewesen. Unzählige Sprechlaute, die wir jeden Tag von uns geben, benötigen für die korrekte Aussprache ein Zusammenspiel zwischen Zunge, Gaumen und Zähnen. Es erscheint dabei auch erstaunlich, dass all dies nur unbewusst geschieht. Des Weiteren bestimmen sie natürlich auch unser Aussehen – schiefe oder fehlende Zähne sind eines der ersten Merkmale unseres Aussehens, die im Gesamtbild der äußeren Erscheinung sofort auffallen.

Wie haben sich unsere Zähne im Laufe der Jahrtausende so entwickeln können?

Das Stichwort ist hier das Form-Funktions-Prinzip. Die Menschheit hat – natürlich immer unterbewusst – im Laufe ihrer frühen Entwicklungsphasen gemerkt, dass sie starke Kiefermuskeln und harte Knochenfortsätze benötigt, um Nahrung zerkleinern zu können. Denn die Vielfalt der Lebensmittel, bestehend aus Weichem (Obst & Gemüse), Zähem (Fleisch) und Hartem (Nüsse), besteht bereits seit geraumer Zeit.

Abgesehen davon ist es auch denkbar, dass die menschliche Evolution sich am Tierreich orientiert hat, damit Vorzeitmenschen in freier Wildbahn sich auch dann gegen aggressive Tiere verteidigen konnten, wenn sie keine händischen Waffen mit sich trugen. Dies ist allerdings nur eine Theorie.

Was jedoch am erstaunlichsten erscheint, ist die Art und Weise, wie detailliert das heutige menschliche Gebiss aufgebaut ist und wie viele einzelnen Komponenten jeder einzelne Zahn hat.

Der Aufbau unserer Zähne

Fangen wir bei der Basis an: Dem Zahnfleisch. Es ist wie der Grundstein eines Gebäudes das Fundament unseres Gebisses, wie ein Gerüst zur Halterung und Sicherung der verankerten Bauteile. Dabei wird es von Blut- und Nervenbahnen durchzogen.

Der Zahn selbst hat, vergleichbar mit dem Aufbau einer Zwiebel, mehrere Schichten. Die oberste, weiße Schicht, die bei geöffnetem Mund zum Vorschein kommt, heißt Zahnschmelz. Da dieser Teil des Zahns direkt mit Fremdkörpern wie z.B. Nahrung in Berührung kommt, ist er auch der robusteste und härteste Teil des Zahns. – Diese obere, sichtbare Hälfte des Zahns wird in ihrer Gesamtheit übrigens Zahnkrone genannt, alles unter dem Zahnfleisch Befindliche gehört zur Zahnwurzel.

Unter dem Zahnschmelz liegt das Zahnbein, auch Dentin genannt. Auch dieses hat die typisch weiße Farbe der Zähne, ist allerdings etwas dunkler und minimal weicher als der Zahnschmelz. Das Dentin macht den größten Anteil unserer Zähne aus; der Zahnschmelz reicht lediglich bis zum Beginn des Zahnfleischs; unter dem Zahnfleisch ist die oberste Schicht des Zahns bereits das Dentin, auch wenn es noch von einer minimal dünnen Schicht, dem Wurzelzement, überzogen wird. Das Dentin bildet dabei bis tief ins Zahnfleisch eine Schutzschicht um die Zahnwurzel.

Im Dentin befindlich ist das Zahnmark, auch Pulpa genannt. Diese wird von Blut- und Nervenbahnen durchzogen, die ihrerseits nach unten durch die Wurzel führen und mit den Mandibularkanälen verbunden sind, den zentralen Blut- und Nervenbahnen, die unsere Kiefer durchziehen und das Innenleben unserer Zähne so mit unserem Blutkreislauf und Nervensystem verbinden.

Die verschiedenen Zahnformen

Es gibt vier verschiedene Arten von Zähnen. Die ganz hinten im Mund sitzenden drei Zähne werden Molaren (Mahlzähne) genannt. Sie besitzen die größte Bissfläche aller Zähne und sind meist auch die voluminösesten mit bis zu drei Wurzelkanälen. Weiter vorne befinden sich die zwei Prämolaren (Vormahlzähne), die nur noch höchstens zwei Wurzelkanäle besitzen. Auch sie sind wie die Molaren eher zum Zermahlen von Nahrungsbrei gedacht; das Zerteilen von Nahrung wird eher vom Caninus (Eckzahn) und den zwei vordersten Zähnen, den Inzisivi (Schneidezähnen) übernommen. Die Inzisivi und der Caninus besitzen daher eine scharfe Kante und keine nennenswerte Kaufläche.

Da sich die Zahl der Zähne pro Kieferhälfte also auf 8 beläuft, rechnet sich die Gesamtzahl aller Zähne also auf 32. Eine Besonderheit stellt übrigens das Milchgebiss dar, da dieses keine Mahlzähne besitzt und somit insgesamt nur 20 Zähne hat. Der Zahnwechsel zum Erwachsenengebiss vollzieht sich normalerweise zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr.